Studierende des Studiengangs Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung im Porträt

An der TU Darmstadt und der Frankfurter Goethe-Universität gibt es seit 2007 einen deutschlandweit einmaligen gemeinsamen Studiengang für Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung. Die Studierenden Jan Dannheisig und Jens Stappenbeck berichten über ihre Erfahrungen.

Jan Dannheisig (li., Bild: privat), Jens Stappenbeck (re., Bild: privat)

Politikwissenschaftler aus Leidenschaft: Jan Dannheisig

Die Entscheidung fiel in Kambodscha. Dort machte Jan Dannheisig gerade ein halbjähriges Praktikum in der Entwicklungszusammenarbeit, als er von dem gemeinsamen Masterstudiengang „Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung“ der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt erfuhr. Ein Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) berichtete ihm davon. Bei seiner Rückkehr aus Südostasien schrieb sich der 27-Jährige an der Goethe-Universität ein. „Frankfurt und Darmstadt gehören zu den wenigen Universitäten in Deutschland, die so einen Studiengang überhaupt anbieten“, sagt er.

Gereizt haben ihn dabei vor allem der Bereich der Friedens- und Konfliktforschung und die technische Perspektive auf die Internationale Zusammenarbeit. Zuvor hat Dannheisig seinen Bachelor in Göttingen in Politikwissenschaften und Amerikanistik gemacht und ein Semester lang in Paris am Institut d’études politiques studiert. Er war Praktikant im Bundestag und EU-Parlament und ist viel gereist. Sein Fernziel ist eine Stelle bei den Vereinten Nationen oder der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Während seines jetzigen Studiums arbeitet Dannheisig erst als Praktikant und dann als Werkstudent halbtags bei der GIZ in Eschborn und hofft dort im Anschluss an seine Masterarbeit als Berater unterzukommen. „Ich möchte gerne ins Ausland“, sagt er.

Mit den Seminaren in Frankfurt und den Blockseminaren in Darmstadt ist der Student sehr zufrieden. Vincent Pouliot, Gastprofessor von der kanadischen McGill University in Montreal an der TU Darmstadt, der über „Multilateral Governance of International Security“ gelehrt hat, ist ihm in guter Erinnerung geblieben. Dieses Semester gefällt ihm besonders das Seminar von Harald Müller zu „Aktuellen Fragen der auswärtigen Politik“ in Frankfurt. Nur die Pendelei zwischen den Standorten Frankfurt und Darmstadt, die empfindet er als aufwändig. Ebenso zuweilen den bürokratischen Aufwand, weil nicht jeder Schein auch online abgerufen werden kann.

Ende März fliegt er mit seinen Kommilitonen für eine UN-Simulation und Teilnahme an Verhandlungen nach New York. Gemeinsam mit seiner Delegation vertritt er Usbekistan, ein Land, von dem er zuvor wenig wusste. „Das bedeutet im Vorfeld viel Recherche, aber es ist spannend und macht viel Spaß“, sagt Jan Dannheisig.

 

Praktische Friedensarbeit: Jens Stappenbeck

Andere reisen nach dem Abi nach Amerika, tingeln durch Asien oder jobben auf einer Farm in Australien. Jens Stappenbeck hat nach dem Schulabschluss den Gaza-Krieg in Israel miterlebt und in der Nähe von Tel Aviv mit Heimkindern gearbeitet. Ein Jahr lang verbrachte er mit der Organisation „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ in dem Heiligen Land, das immer wieder von unüberbrückbar scheinenden Konflikten gezeichnet ist. Für den heute 28-Jährigen war das ein prägendes und bleibendes Erlebnis. „Das hat mich zur Friedens- und Konfliktforschung gebracht“, sagt er. Heute studiert Jens Stappenbeck im dritten Semester an der TU Darmstadt und der Frankfurter Goethe-Universität den gemeinsamen Masterstudiengang „Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung“.

Doch der Aufenthalt im Nahen Osten führte den jungen Hamburger auch nach Jordanien und Ägypten. „Nach dem Einblick in den jüdischen Staat wollte ich die andere Seite kennenlernen, ich wollte diesen hoch emotionalen Konflikt besser verstehen“, beschreibt er seine Motivation. Stappenbeck begann in Heidelberg ein Bachelorstudium in Politik- und in Islamwissenschaften, wechselte später zur Freien Universität Berlin, wo er seinen Abschluss machte. Erneut leistete er ein Praktikum bei „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ in Jerusalem und eines im Zentrum für Demokratieforschung in Bulgarien.

Über einen Blog zur Sicherheitspolitik auf der Homepage der Goethe-Universität kam er schließlich nach Frankfurt und zum gemeinsamen Masterstudiengang „Friedens- und Konfliktforschung“. Doch was zunächst mit einem Interesse an normativen Ordnungen und Theorien begann, hat sich nun hin zu empirischer Friedensforschung verschoben. „Meine Interessen haben sich gewandelt“, sagt der 28-Jährige. Zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schließlich als Vorstandsmitglied der Menschenrechtsorganisation „Genocide Alert“ erarbeitete er einen Monitor zur weltweiten Entwicklung von Massenverbrechen. Auf ihrer Internetseite dokumentiert die Organisation Völkermorde und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, analysiert Daten und erstellt Risikobewertungen.

Einige der Module, die er an der TU Darmstadt belegt hat, passen da thematisch sehr gut, lobt er. Etwa wenn es um „Transitional Justice“ geht, also die juristische Aufarbeitung von Massenverbrechen wie den Holocaust oder auch den Völkermord in Ruanda. Es bedeute zwar einen zusätzlichen Aufwand, von Frankfurt nach Darmstadt zu pendeln, „aber ich versuche, die Veranstaltungen möglichst zu bündeln“, berichtet Stappenbeck. Insgesamt ist er sehr zufrieden mit seinen Studieninhalten.

Nach dem Abschluss will er weiterforschen und eventuell promovieren. Jens Stappenbeck würde gerne ein Praktikum beim „Early Warning Project“ des US Holocaust Memorial Museums in Washington machen. „Die USA sind im Bereich der Risikoanalysen schon viel weiter“, sagt er. Empirische Friedensforschung und Politikberatung zu verknüpfen, seine Ergebnisse direkt anzuwenden, dieser Gedanke gefällt dem 28-Jährigen. „Ich möchte helfen, Konflikte rechtzeitig zu erkennen und vielleicht auch zu verhindern, dass sie überhaupt ausbrechen.“

Astrid Ludwig

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