Ringvorlesung: Gelockt, ungebändigt, anders? Junges und altes Haar, Perücken und Race Making in der späteren Frühen Neuzeit

Caperucita Roja in einem roten Mantel mit fließenden schwarzen Haaren, die in der Luft wehen

Datum

20. Januar 2027, 16:15 Uhr – 17:45 Uhr

Ort

Technische Universität Darmstadt

Beschreibung

Vortrag von Sarah-Maria Schober (Universität Luzern) im Rahmen der Ringvorlesung "Widerständige Haare zwischen Ungehorsam und Selbstermächtigung. Transdisziplinäre Perspektiven auf Kinder- und Jugendmedien".

Ort: Technische Universität Darmstadt, Raum: S101/A4, Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Online-Teilnahme via Zoom: LINK
Sprache: Deutsch
 

Abstract:
Der Vortrag beleuchtet die zum Teil auch auf die Kinder- und Jugendmode ausgreifende Perückenmode des späten 17. und 18. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der kolonialen Expansion Europas und den sich verschärfenden Rassentheorien der Zeit. Menschliches Haar, dessen Farbe, aber insbesondere auch als unbändig beschriebene Haartexturen, stellten einen zentralen Aspekt frühneuzeitlicher Differenzstrategien dar. Dies galt zunehmend insbesondere im Kontext der Rassifizierung schwarzer Menschen, ein Prozess, der ältere Verständnisse “krausen” Haares in Europa und im kolonialen Raum weiter anreicherte. Texte, Bilder und Objekte entwarfen Vorstellungen von rassifiziertem Haar, zugleich aber auch von jungen und alten Haarstrukturen, von Race sowie von Kindheit und Seniorität. Inwieweit fanden diese Prozesse in den Köpfen, aber auch auf den Köpfen von jüngeren und älteren Menschen statt? Lassen sich also konkrete Auswirkungen auf den Umgang mit Haar aufzeigen – und lässt sich darüber allenfalls der Perückenhype der Zeit als ein Medium der Aushandlung von Haardifferenzen neu entdecken?

 

Über die Ringvorlesung: 

Vom staubfreien Schuh bis zum wohl frisierten Haupt wird das ,geputzte‘ Kind zum Brennpunkt der diskursiven Verhandlung zeitgenössischer Hygieneerziehungs- und Tugendideale. Das widerständige (Kinder-)Haar dagegen zeugt von einem Spannungsverhältnis zwischen lobenswerter Reinlichkeit und tadelnswerter Eitelkeit, das kulturhistorisch und regional codiert ist. Widerständige Haare können in der zeitgenössischen Kunst und Literatur als Sinnbild der Selbstermächtigung, aber auch der Ausgrenzung inszeniert werden. Nach wie vor zeugen diese Darstellungen von gesellschaftlichen Tabus, insbesondere wenn die (weibliche) Körperbehaarung thematisiert wird. Wenn das wildwuchernde Haar als Attribut von Renitenz und Selbstermächtigung inszeniert wird, werden die Rezipierenden eingeladen, Schönheit neu zu denken: als etwas, das in der Vielfalt, der Textur und dem Widerstand selbst liegt. In dieser Ringvorlesung werden nationale und internationale Expert*innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf die facettenreiche Ästhetik und Semantik erzählter und künstlerisch ins Bild gesetzter (Kinder- und Jugend-)Haare werfen.

Vorausgesetzt wird die Freude an der kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowie die Bereitschaft, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.

Die Vortragsreihe findet im Wintersemester 2026/27 statt und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an die interessierte Öffentlichkeit. 

Die Ringvorlesung ist Teil der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) und wird vom RMU-Initiativfonds Lehre gefördert.

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