Ringvorlesung: Hairy Queen. Warum Körperbehaarung politisch ist

Caperucita Roja in einem roten Mantel mit fließenden schwarzen Haaren, die in der Luft wehen

Datum

28. Oktober 2026, 16:15 Uhr – 17:45 Uhr

Ort

Technische Universität Darmstadt

Beschreibung

Lesung von Franziska Setare Koohestani im Rahmen der Ringvorlesung "Widerständige Haare zwischen Ungehorsam und Selbstermächtigung. Transdisziplinäre Perspektiven auf Kinder- und Jugendmedien".

Ort: Technische Universität Darmstadt, Raum: S101/A4, Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Online-Teilnahme via Zoom: LINK
Sprache: Deutsch
 

Abstract:
In dem erzählenden Sachbuch Hairy Queen beleuchtet Franziska Setare Koohestani die politische Dimension von Haarwuchs, Enthaarungszwang und Körperidealen aus persönlicher Perspektive – von rassistischen Zuschreibungen, über kapitalistische Schönheitsarbeit bis hin zu binären Geschlechternormen. Denn das Einsetzen der Körperbehaarung in der Pubertät markiert zwar universell den Übergang vom Kind zum Erwachsenen. Doch der gesellschaftliche Umgang damit ist stark gegendert. Während männliche Körperbehaarung als Symbol von Reife gilt, unterliegt der weibliche Körper im Zuge des Erwachsenwerdens einem Disziplinierungsdruck. Am Beispiel des Kapitels „Erwachsen werden und wachsen lassen“ beleuchtet die Lesung die Bedeutung der Behaarung zwischen Geschlechterkonstruktion, Selbstermächtigung und „haariger“ Widerständigkeit. Im Anschluss gibt es Raum für Fragen und eine gemeinsame Diskussion.

 

Über die Ringvorlesung: 

Vom staubfreien Schuh bis zum wohl frisierten Haupt wird das ,geputzte‘ Kind zum Brennpunkt der diskursiven Verhandlung zeitgenössischer Hygieneerziehungs- und Tugendideale. Das widerständige (Kinder-)Haar dagegen zeugt von einem Spannungsverhältnis zwischen lobenswerter Reinlichkeit und tadelnswerter Eitelkeit, das kulturhistorisch und regional codiert ist. Widerständige Haare können in der zeitgenössischen Kunst und Literatur als Sinnbild der Selbstermächtigung, aber auch der Ausgrenzung inszeniert werden. Nach wie vor zeugen diese Darstellungen von gesellschaftlichen Tabus, insbesondere wenn die (weibliche) Körperbehaarung thematisiert wird. Wenn das wildwuchernde Haar als Attribut von Renitenz und Selbstermächtigung inszeniert wird, werden die Rezipierenden eingeladen, Schönheit neu zu denken: als etwas, das in der Vielfalt, der Textur und dem Widerstand selbst liegt. In dieser Ringvorlesung werden nationale und internationale Expert*innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf die facettenreiche Ästhetik und Semantik erzählter und künstlerisch ins Bild gesetzter (Kinder- und Jugend-)Haare werfen.

Vorausgesetzt wird die Freude an der kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowie die Bereitschaft, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.

Die Vortragsreihe findet im Wintersemester 2026/27 statt und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an die interessierte Öffentlichkeit. 

Die Ringvorlesung ist Teil der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) und wird vom RMU-Initiativfonds Lehre gefördert.

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