Ringvorlesung: „Kämmen ließ er nicht sein Haar“: Frisuren im Kontext von Rebellion und Konformität in Heinrich Hoffmanns Der Struwwelpeter

Caperucita Roja in einem roten Mantel mit fließenden schwarzen Haaren, die in der Luft wehen

Datum

4. November 2026, 16:15 Uhr – 17:45 Uhr

Ort

Technische Universität Darmstadt

Beschreibung

Vortrag von Beate Zekorn-von Bebenburg (Struwwelpetermuseum Frankfurt) im Rahmen der Ringvorlesung "Widerständige Haare zwischen Ungehorsam und Selbstermächtigung. Transdisziplinäre Perspektiven auf Kinder- und Jugendmedien".

Ort: Technische Universität Darmstadt, Raum: S101/A4, Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Online-Teilnahme via Zoom: LINK
Sprache: Deutsch
 

Abstract:
Der Frankfurter Arzt Dr. Heinrich Hoffmann begründete 1844 mit dem für den dreijährigen Sohn geschaffenen Der Struwwelpeter das moderne, erzählende Bilderbuch. Der 1845 erschienene Welterfolg inspirierte zu Nachahmungen, Karikaturen, Satiren, Kitsch und Kunst. Die junge Leserschaft selbst erwählte um 1846 das Struwwelpeter-Blatt zur Schlüsselgeschichte des Buches: Hoffmann berichtete, wie die Kinder nicht das Buch mit dem umständlichen Titel Lustige Geschichten und drollige Bilder, sondern „das Struwwelpeter-Buch“ forderten. Der Vortrag analysiert das überzeitliche Narrativ der „wilden“ Haare, die den Struwwelpeter als Antihelden für immer neue Kindergenerationen spannend machen. Ausgehend von Hoffmanns Struwwelpeter-Figur und ihren verschiedenen Frisuren im historischen Kontext analysiert Beate Zekorn-von Bebenburg die Ambivalenz der Haarsymbolik zwischen Rebellion und Konformität anhand von ausgewählten Beispielen aus der Reihe der Struwwelpeter-Imitationen, den sogenannten Struwwelpetriaden.

 

Über die Ringvorlesung: 

Vom staubfreien Schuh bis zum wohl frisierten Haupt wird das ,geputzte‘ Kind zum Brennpunkt der diskursiven Verhandlung zeitgenössischer Hygieneerziehungs- und Tugendideale. Das widerständige (Kinder-)Haar dagegen zeugt von einem Spannungsverhältnis zwischen lobenswerter Reinlichkeit und tadelnswerter Eitelkeit, das kulturhistorisch und regional codiert ist. Widerständige Haare können in der zeitgenössischen Kunst und Literatur als Sinnbild der Selbstermächtigung, aber auch der Ausgrenzung inszeniert werden. Nach wie vor zeugen diese Darstellungen von gesellschaftlichen Tabus, insbesondere wenn die (weibliche) Körperbehaarung thematisiert wird. Wenn das wildwuchernde Haar als Attribut von Renitenz und Selbstermächtigung inszeniert wird, werden die Rezipierenden eingeladen, Schönheit neu zu denken: als etwas, das in der Vielfalt, der Textur und dem Widerstand selbst liegt. In dieser Ringvorlesung werden nationale und internationale Expert*innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf die facettenreiche Ästhetik und Semantik erzählter und künstlerisch ins Bild gesetzter (Kinder- und Jugend-)Haare werfen.

Vorausgesetzt wird die Freude an der kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowie die Bereitschaft, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.

Die Vortragsreihe findet im Wintersemester 2026/27 statt und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an die interessierte Öffentlichkeit. 

Die Ringvorlesung ist Teil der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) und wird vom RMU-Initiativfonds Lehre gefördert.

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