Ringvorlesung: Nur Haare? Repräsentation und Awareness von Black Hair in Serien

Caperucita Roja in einem roten Mantel mit fließenden schwarzen Haaren, die in der Luft wehen

Datum

16. Dezember 2026, 16:15 Uhr – 17:45 Uhr

Ort

Technische Universität Darmstadt 

Beschreibung

Vortrag von Leila Kelley (Technische Universität Darmstadt) im Rahmen der Ringvorlesung "Widerständige Haare zwischen Ungehorsam und Selbstermächtigung. Transdisziplinäre Perspektiven auf Kinder- und Jugendmedien".

Ort: Technische Universität Darmstadt, Raum: S101/A4, Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Online-Teilnahme via Zoom: LINK
Sprache: Deutsch
 

Abstract:
Serienfiguren können für Jugendliche als Role Models und Style Icons fungieren. Die visuelle Darstellung von Black Hair in fiktionalen Formaten kann für Prozesse jugendlicher Identitätsarbeit und Selbstbestimmung relevant sein. Ob Braids, Weaves, Locs oder Afro: Hairstyles und die mit ihnen verbundenen Diskurse transportieren Botschaften über Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Anerkennung. Sie können Räume eröffnen, in denen Jugendliche bestehende Schönheitsnormen hinterfragen und eigene Formen von Selbstbestimmung entwickeln. 

Die Diskriminierung von Black Hair ist historisch gewachsen und eng mit rassistischen Macht- und Herrschaftsverhältnissen verbunden. Insbesondere der transatlantische Sklav*innenhandel und die europäische Kolonialisierung haben zur Etablierung von Normen beigetragen, in denen Black Hair abgewertet und an westlichen Schönheitsidealen gemessen wird (Vgl. Tameka N. Ellington/ Annette Lynch: „Don’t Need a Trip to the Beauty Shop: Depictions of Afro-Textured Hair in Children’s Media”, in: Tameka N. Ellington (Hg.): „Black Hair in a White World”, Ohio: Kent State University Press, 2023, S. 39-54). Die Bedeutung von Black Hair geht weit über individuelle Ästhetik hinaus: Es besitzt eine politische Dimension und macht bestehende Normen, Stereotype und Machtstrukturen sichtbar. Zugleich kann eine positive mediale Repräsentation zur Sichtbarkeit und Stärkung Schwarzer Jugendlicher beitragen (Vgl. ebd.).

Ausgehend davon widmet sich der Vortrag der Frage, wie Black Hair in Jugendserien repräsentiert wird und inwiefern dadurch Awareness für dessen Bedeutung und Diskriminierung geschaffen wird. Darüber hinaus wird beleuchtet, welche Rolle solche medialen Bilder für die Identitätsarbeit und Selbstbestimmung junger Menschen spielen können. Hierfür werden ausgewählte Jugendserien hinsichtlich ihrer Darstellung von Black Hair analysiert und im Kontext aktueller Diskurse diskutiert. Abschließend wird die Rolle von Netflix als zunehmend algorithmisierte Plattform kritisch betrachtet. Daraus ergibt sich die Frage, welche Relevanz Plattformlogiken und mediale Sichtbarkeit für die Wahrnehmung und Vermittlung von Botschaften über Black Hair haben.

 

Über die Ringvorlesung: 

Vom staubfreien Schuh bis zum wohl frisierten Haupt wird das ,geputzte‘ Kind zum Brennpunkt der diskursiven Verhandlung zeitgenössischer Hygieneerziehungs- und Tugendideale. Das widerständige (Kinder-)Haar dagegen zeugt von einem Spannungsverhältnis zwischen lobenswerter Reinlichkeit und tadelnswerter Eitelkeit, das kulturhistorisch und regional codiert ist. Widerständige Haare können in der zeitgenössischen Kunst und Literatur als Sinnbild der Selbstermächtigung, aber auch der Ausgrenzung inszeniert werden. Nach wie vor zeugen diese Darstellungen von gesellschaftlichen Tabus, insbesondere wenn die (weibliche) Körperbehaarung thematisiert wird. Wenn das wildwuchernde Haar als Attribut von Renitenz und Selbstermächtigung inszeniert wird, werden die Rezipierenden eingeladen, Schönheit neu zu denken: als etwas, das in der Vielfalt, der Textur und dem Widerstand selbst liegt. In dieser Ringvorlesung werden nationale und internationale Expert*innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf die facettenreiche Ästhetik und Semantik erzählter und künstlerisch ins Bild gesetzter (Kinder- und Jugend-)Haare werfen.

Vorausgesetzt wird die Freude an der kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowie die Bereitschaft, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.

Die Vortragsreihe findet im Wintersemester 2026/27 statt und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an die interessierte Öffentlichkeit. 

Die Ringvorlesung ist Teil der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) und wird vom RMU-Initiativfonds Lehre gefördert.

Rhine-Main Universities