Ringvorlesung: „Und es wird ein wundervoller Wald!“ – Transdisziplinäre Perspektiven auf das erzählte und ins Bild gesetzte Kinderhaar als Habitat im internationalen Bilderbuch
Datum
25. November 2026, 16:15 Uhr – 17:45 Uhr
Ort
Technische Universität Darmstadt
Beschreibung
Vortrag von Iris Schäfer (Goethe-Universität Frankfurt) im Rahmen der Ringvorlesung "Widerständige Haare zwischen Ungehorsam und Selbstermächtigung. Transdisziplinäre Perspektiven auf Kinder- und Jugendmedien".
Ort: Technische Universität Darmstadt, Raum: S101/A4, Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Online-Teilnahme via Zoom: LINK
Sprache: Deutsch
Abstract:
In einigen zeitgenössischen Bilderbüchern aus Italien, Japan, Deutschland und Spanien wird das medial inszenierte Kinderhaar mit einer Waldmetaphorik verknüpft. Rekurriert wird so auf die kulturhistorische Nähe von Pflanzen- und Menschen- bzw. Baum- und Haarsemantiken, auf die etwa in der Deutschen Grammatik der Brüder Grimm hingewiesen wird. Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Darstellungen besteht in der Semantisierung des kindlichen Haupthaares als Habitat, da diese haarigen Wälder als Lebensraum für allerlei Waldtiere – vorzugsweise Vögel – fungieren. Die geschilderte parasitäre Symbiose mit dem kindlichen Körperraum ist in surrealen Sphären verortet und erfüllt überwiegend eine Kompensationsstrategie, die von erwachsenen Kindheitsidealen zeugt. Dieser Spielart erzählter und ins Bild gesetzter haariger Habitate werde ich mich aus komparatistischer, diskursanalytischer und raumtheoretischer Perspektive annähern.
Über die Ringvorlesung:
Vom staubfreien Schuh bis zum wohl frisierten Haupt wird das ,geputzte‘ Kind zum Brennpunkt der diskursiven Verhandlung zeitgenössischer Hygieneerziehungs- und Tugendideale. Das widerständige (Kinder-)Haar dagegen zeugt von einem Spannungsverhältnis zwischen lobenswerter Reinlichkeit und tadelnswerter Eitelkeit, das kulturhistorisch und regional codiert ist. Widerständige Haare können in der zeitgenössischen Kunst und Literatur als Sinnbild der Selbstermächtigung, aber auch der Ausgrenzung inszeniert werden. Nach wie vor zeugen diese Darstellungen von gesellschaftlichen Tabus, insbesondere wenn die (weibliche) Körperbehaarung thematisiert wird. Wenn das wildwuchernde Haar als Attribut von Renitenz und Selbstermächtigung inszeniert wird, werden die Rezipierenden eingeladen, Schönheit neu zu denken: als etwas, das in der Vielfalt, der Textur und dem Widerstand selbst liegt. In dieser Ringvorlesung werden nationale und internationale Expert*innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf die facettenreiche Ästhetik und Semantik erzählter und künstlerisch ins Bild gesetzter (Kinder- und Jugend-)Haare werfen.
Vorausgesetzt wird die Freude an der kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowie die Bereitschaft, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.
Die Vortragsreihe findet im Wintersemester 2026/27 statt und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an die interessierte Öffentlichkeit.
Die Ringvorlesung ist Teil der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) und wird vom RMU-Initiativfonds Lehre gefördert.