Ringvorlesung: Unruly Hair. Beauty Practices Brushed Against the Grain
Datum
2. Dezember 2026, 16:15 Uhr – 17:45 Uhr
Ort
Technische Universität Darmstadt
Beschreibung
Vortrag von Alexandra Karentzos (Technische Universität Darmstadt) im Rahmen der Ringvorlesung "Widerständige Haare zwischen Ungehorsam und Selbstermächtigung. Transdisziplinäre Perspektiven auf Kinder- und Jugendmedien".
Ort: Technische Universität Darmstadt, Raum: S101/A4, Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Online-Teilnahme via Zoom: LINK
Sprache: Deutsch
Abstract:
Haare sind eigenwillig, störrisch, widerspenstig, lassen sich nicht so leicht zähmen und bändigen. Sie wachsen unaufhörlich und müssen gewaschen, gekämmt, geschnitten werden. So ist das Haar eng mit gesellschaftlichen Normierungen und Zurichtungen gerade auch des weiblichen Körpers verknüpft. Es ist Teil des alltäglichen Schönheitshandelns, also jener Praktiken, durch die der Körper in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Schönheitsidealen gestaltet und inszeniert wird. Insofern liegt wiederum im Haar ein Potenzial der Nichtanpassung, des Widerstands und der Nichtbeherrschbarkeit.
Insbesondere seit den 1970er Jahren ist (Körper-)Haar zunehmend zum Gegenstand einer kritischen Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, kolonialem Erbe und normativen Schönheitsidealen geworden. Vor allem in feministischen und postkolonialen Kontexten fungiert Haar als widerständiges Medium, durch das marginalisierte Subjekte hegemoniale Diskurse herausfordern. Haare werden zu einem ästhetischen und zugleich politischen Zeichen, durch das westlich geprägte Schönheitsnormen problematisiert und andere Identitäten, Zugehörigkeiten und Köperlichkeiten sichtbar gemacht werden.
Über die Ringvorlesung:
Vom staubfreien Schuh bis zum wohl frisierten Haupt wird das ,geputzte‘ Kind zum Brennpunkt der diskursiven Verhandlung zeitgenössischer Hygieneerziehungs- und Tugendideale. Das widerständige (Kinder-)Haar dagegen zeugt von einem Spannungsverhältnis zwischen lobenswerter Reinlichkeit und tadelnswerter Eitelkeit, das kulturhistorisch und regional codiert ist. Widerständige Haare können in der zeitgenössischen Kunst und Literatur als Sinnbild der Selbstermächtigung, aber auch der Ausgrenzung inszeniert werden. Nach wie vor zeugen diese Darstellungen von gesellschaftlichen Tabus, insbesondere wenn die (weibliche) Körperbehaarung thematisiert wird. Wenn das wildwuchernde Haar als Attribut von Renitenz und Selbstermächtigung inszeniert wird, werden die Rezipierenden eingeladen, Schönheit neu zu denken: als etwas, das in der Vielfalt, der Textur und dem Widerstand selbst liegt. In dieser Ringvorlesung werden nationale und internationale Expert*innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf die facettenreiche Ästhetik und Semantik erzählter und künstlerisch ins Bild gesetzter (Kinder- und Jugend-)Haare werfen.
Vorausgesetzt wird die Freude an der kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowie die Bereitschaft, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.
Die Vortragsreihe findet im Wintersemester 2026/27 statt und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an die interessierte Öffentlichkeit.
Die Ringvorlesung ist Teil der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) und wird vom RMU-Initiativfonds Lehre gefördert.