Ein Studiengang – zwei Hochschulen

Links: Alina Heise (© privat); rechts: Jan Paul Reimann (© privat)

Welche Erfahrungen machen Studierende eines RMU-Kooperationsstudienganges, wie sieht die Organisation ihres Alltags aus? Zwei Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen und -phasen berichten.

Nach dem Bachelor

Alena Heise hatte gerade ihren Bachelor Politikwissenschaft und Sinologie an der Goethe-Universität gemacht. Für einen anschließenden Master in ihrem Schwerpunkt Politikwissenschaften wollte sie gerne erst einmal in der Rhein-Main-Region bleiben. Auf den Masterstudiengang „Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung“ war sie bereits während ihres BA-Studiums aufmerksam geworden. „Über die Spezialisierungsmodule in der alten Prüfungsordnung der Politikwissenschaften waren Mastermodule vorgesehen. Somit hatte ich zum Beispiel über das NMUN-Seminar von Prof. Lisbeth Zimmermann früh Berührungspunkte mit dem Master“, erzählt sie. Der Masterstudiengang hat „einen sehr guten Ruf hat“. Das schlägt sich auch in der Zahl vieler Bewerbungen nieder – „das ist schon sehr kompetitiv“, sagt sie. Der ISFK eröffnet den Studierenden nicht nur die spannende Option, an zwei Hochschulen zu studieren, sondern läuft zugleich auch unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF). 

Die Studierenden sind an beiden Unis eingeschrieben und profitieren so nicht nur von geballtem Wissen, sondern auch von doppeltem Zugang zu Bibliotheken oder Partneruniversitäten im Ausland. „Was mich ein Stück weit selber überrascht hat: Ich als „Frankfurterin“ habe mich im Rahmen des MA-Studiengangs sozusagen auf die TUDa zubewegt, indem ich mich beim Wahlpflichtmodul für Naturwissenschaftlich-technische Friedens- und Konfliktforschung entschieden habe. Da gibt es an einer technischen Universität viele fachliche Anknüpfungspunkte und interdisziplinäre Seminare“, berichtet sie. Außerdem wird sie ihr Forschungspraktikum in Darmstadt absolvieren und ab August auch als studentische Hilfskraft an der TUDa arbeiten. „Das Zentrum meines Studiums hat sich so gesehen etwas verlagert, obwohl ich erst im zweiten Semester bin“, stellt Heise fest. 

Prof. Lisbeth Zimmermann, Leiterin des Studiengangs „Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung“ an der Goethe-Universität, betont: „Der RMU-Studiengang war mit seinem Format ein echter Vorreiter. Die Kooperation mit Darmstadt ergänzt das Profil der Goethe-Universität auf ideale Weise, insbesondere in den Bereichen Klimapolitik, Cybersicherheit sowie Technologie und Abrüstung. Und mit dem Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) fließt viel Forschungs- und Regionalexpertise in den Seminarbetrieb ein, von der die Studierenden profitieren.“

Jan Paul Reimann kann gewissermaßen schon auf seinen Kooperationsstudiengang zurückblicken, denn er befindet sich bereits am Ende des Studiums, hat gerade seine Masterarbeit abgegeben. Für den Masterstudiengang „Politische Theorie“ ist Reimann, der in Berlin seinen Bachelor gemacht hat, extra nach Frankfurt gezogen: „Der Master ist in seiner Ausrichtung sicherlich einzigartig in Deutschland. Da ich schon im Bachelorstudiengang einen starken Fokus auf politische Theorie gelegt und mich auch durchaus für eine akademische Karriere interessiert habe, bot sich für eine Vertiefung die Goethe-Universität natürlich sehr an. „Wenn ich auf besonders spannende politiktheoretische Publikationen gestoßen bin, waren sehr häufig Forschende der Goethe-Universität daran beteiligt.

Auch das Forschungszentrum Normative Ordnungen wurde sehr oft genannt“, berichtet Reimann. Der Masterstudiengang Politische Theorie wird gemeinsam von der Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) angeboten. Die damit verbundene Breite an Seminaren und Themen hat Reimann auch gereizt. „In Darmstadt hat man im Bereich Politische Theorie einen stärkeren Fokus auf Ideengeschichte, während Frankfurt in der normativen Theorie und Philosophie hervorragend aufgestellt ist – das ergänzt sich wirklich sehr gut.“ 

Prof. Rainer Forst, der den Masterstudiengang in Frankfurt leitet, unterstreicht: „Der seit fast zwanzig Jahren bestehende Studiengang Politische Theorie ist der einzige seiner Art in Deutschland. In der Kombination der starken und lebendigen Frankfurter Tradition der politischen Theorie und Sozialphilosophie mit den renommierten Demokratietheoretiker*innen in Darmstadt ist es gelungen, ein hochwertiges, interdisziplinäres Curriculum zu realisieren, das hervorragende Studierende anzieht, die auch sehr von den Möglichkeiten profitieren, einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen.“

Pendeln kostet Zeit 

Zwei Hochschulen bedeutet natürlich auch: zwei Standorte, die mit Pendeln verbunden sind. Wie sind da die Erfahrungen der beiden? „Ja, das ist schon ein Thema, es nimmt schon Zeit in Anspruch, sich von Frankfurt nach Darmstadt zu bewegen und dann wieder zurück beziehungsweise nach Hause. Damit man nicht jeden Tag pendelt, muss man sich die Seminarbesuche so legen, dass man entweder einen Darmstadt- oder einen Frankfurt-Tag hat“, sagt Jan Paul Reimann. „Mir geht es ganz ähnlich“, erzählt Alena Heise. Sie muss von zu Hause aus bereits einen größeren Weg nach Frankfurt zurücklegen; nach Darmstadt kommt dann nochmal die ähnliche Strecke obendrauf. „Aber man kann seine Präsenzzeit an den beiden Standorten schon so strukturieren, dass die Pendelei nicht täglich anfällt. Auch Blockseminare können eine Option sein“, sagt sie. 

Hat sich gegenüber dem Bachelorstudium eigentlich etwas verändert, arbeitet man im Master eher für sich, in der Bibliothek oder zu Hause? Alena Heise sieht im direkten Austausch mit ihren Kommiliton*innen ein wichtiges Element des Studiums: „Ich verbringe natürlich auch viel Zeit mit Lektüre in der Bibliothek und zu Hause, denke aber, dass die Diskussion gerade im Seminar wichtige Bestandteile sind.“ 

Jan Paul Reimann ergänzt: „In meinem Bereich der Politischen Theorie und Philosophie wird sehr viel gelesen, das fängt im BA aber auch schon an. So gesehen sehe ich da keinen großen Unterschied. Was ich aber wohl feststellen kann: Im Master habe ich stärker mit Kommiliton*innen an Texten zusammengearbeitet. Das hat sicherlich auch mit dem höheren Grad an Spezialisierung zu tun. Dieser Master Politische Theorie zieht schon ganz besondere Leute an, die wirklich für das Fach brennen und sehr begeistert sind, daher schließt man sich auch gerne zu Lesekreisen zusammen.“ 

Große Bedeutung hat in beiden Masterstudiengängen die Internationalität, was unter anderem über englischsprachige Seminare, aber auch über Auslandsaufenthalte abgebildet wird. „Ich werde nächstes Semester für ein Auslandssemester nach Südkorea gehen, an die Ewha Womans University in Seoul. Der Austausch läuft über die TU Darmstadt. Dadurch werde ich meinen Master noch etwas stärker in Richtung Ostasien ausrichten“, sagt Alena Heise. Eine akademische Karriere mag sie nicht ausschließen, kann sich aber auch gut eine berufliche Zukunft im öffentlichen Dienst oder bei einer internationalen Organisation vorstellen.

Auch Jan Paul Reimann war im Rahmen des Masterstudiums im fernen Ausland, ihn hat es nach New York gezogen: „Der Master Politische Theorie unterhält ein Austauschprogramm mit der renommierten New York School for Social Research, verbunden mit einem Stipendium des DAAD. Das wollte ich unbedingt noch machen, hat sich auch ausgezahlt: Darüber konnte ich Kontakte knüpfen und habe Einblicke in Programme erhalten, sodass ich demnächst zum Promovieren an die Columbia University gehen kann.“

 

Text: Dirk Frank (ursprünglich erschienen im UniReport der Goethe-Universität Frankfurt)

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