Rhein-Main-Universitäten verleihen erneut die RMU Awards
Professor Tamer Butto und Professorin C. Katharina Spieß, beide Wissenschaftler*innen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, als Preisträger*innen geehrt
Die Rhein-Main-Universitäten (RMU) haben am 20. Oktober 2026 im Rahmen einer festlichen Veranstaltung an der Goethe-Universität Frankfurt erneut die RMU Awards verliehen. Vergeben wurde jeweils ein Award in den Profilbereichen Society und Health. Diese bilden neben Data und Matter die vier Profilbereiche, in denen die RMU ihre Forschung bündelt.
Der RMU Award im Bereich Health für „Pharmaceutical Research & Innovative Medical Therapies“ der Frankfurt Foundation Quality of Medicines ging an Jun.-Prof. Dr. Tamer Butto. Er ist seit Juli 2026 Junior-Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und wurde für eine innovative Forschungsidee zur verbesserten Diagnose seltener genetischer Erkrankungen ausgezeichnet. Der neuartige Ansatz verbindet modernste RNA-Sequenzierung mit dem Ziel, individuelle Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und Ribosomenerkrankungen wie die Diamond-Blackfan-Anämie schneller und präziser zu diagnostizieren und langfristig neue Ansatzpunkte für gezielte Therapien zu identifizieren.
Die Preisträgerin des Sibylle Kalkhof-Rose RMU-Preises für Geistes- und Sozialwissenschaften im Bereich Society ist Prof. Dr. C. Katharina Spieß, Professorin für Bevölkerungsökonomie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Sie wurde für ihre herausragende Forschung zu Bildung, Familie und sozialen Ungleichheiten ausgezeichnet. Spieß hat die ökonomische Forschung zur frühen Bildung und Betreuung in Deutschland mit innovativen Arbeiten weit über die Ökonomie hinaus maßgeblich geprägt. Mit ihrem interdisziplinären Wirken, der Förderung Forschender in frühen Karrierephasen und ihrem Engagement für eine evidenzbasierte Bildungs- und Familienpolitik verbindet sie wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung.
Prof. Dr. Tanja Brühl, Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt und amtierende RMU-Sprecherin, sagte: „Ich gratuliere Tamer Butto und Katharina Spieß sehr herzlich zur Auszeichnung mit den diesjährigen RMU Awards. Ihre Arbeiten zeigen exemplarisch, wofür wir als RMU stehen: Exzellente Forschung, die neue Fragen stellt und Lösungen aufzeigt für die großen Herausforderungen unserer Zeit. Forschung, die im Dialog ist mit Partner*innen in Gesellschaft und Politik und so tragfähige und nachhaltige Veränderungen möglich macht. Die Forschung von Tamer Butto und Katharina Spieß ist in zwei prägenden Bereichen unseres Profils als Allianz verortet – im Bereich Emerging Targets and Transformative Therapies, in dem neue Therapien für bisher schwer behandelbare Erkrankungen im Mittelpunkt stehen, sowie im Bereich Challenging Societal Orders, in dem Wissenschaftler*innen beleuchten, wie Gesellschaften mit sozialen und politischen Herausforderungen umgehen.“
Brühl ergänzte: „In unserem gemeinsamen Forschungsprofil als Allianz bündeln wir die komplementären Stärken von drei Universitäten. Als Exzellenzverbund werden wir unsere erfolgreiche Zusammenarbeit weiter vertiefen und Forschenden aller Karrierephasen Raum geben und Möglichkeiten schaffen, Neues zu denken und gemeinsam zu gestalten. Denn es sind die Menschen und ihre Ideen, die unsere Allianz ausmachen und weiter voranbringen.“
Brühl dankte außerdem den Stiftern, Prof. Dr. Henning Blume und Dr. Dagmar Walluf-Blume von der Frankfurt Foundation Quality of Medicines, sowie Dr. Wolfgang Litzenburger von der Sibylle Kalkhof-Rose-Stiftung, und den Laudatoren Prof. Dr. Robert Tampé von der Goethe-Universität Frankfurt sowie Prof. Dr. Daniel Schunk von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Prof. Dr. Robert Tampé betonte in seiner Laudatio für Jun.-Prof. Dr. Tamer Butto: „Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht nicht immer dadurch, dass man eine alte Frage besser beantwortet. Manchmal entsteht er dadurch, dass man eine neue Frage ermöglicht. Und genau das finde ich an Tamer Buttos Arbeit besonders faszinierend. Er hat die Nanoporen-Sequenzierung nicht einfach auf ein bestehendes Problem angewendet. Er hat RNA-Biologie, Bioinformatik, Sequenzierungstechnologie, Ribosomenbiogenese und Krankheitsbiologie miteinander kombiniert, um eine neue Sichtweise auf das Problem zu schaffen. Dieser interdisziplinäre Charakter ist auch der Grund, warum seine Arbeit ein so breites Publikum anspricht. Tamer Butto steht exemplarisch für eine neue Generation von Wissenschaftler*innen, die in der Lage ist, Fragen zu stellen, die wir noch nicht zu stellen gelernt haben.“
Prof. Dr. Daniel Schunk hob in seiner Laudatio für Prof. Dr. C. Katharina Spieß hervor: „Wer auf das wissenschaftliche Werk von Katharina Spieß blickt, merkt schnell: Man kann viele Fäden hindurchlegen, und jeder davon ergibt ein stimmiges Bild. Da ist die Bildungsökonomin, die Familien-forscherin, die Bevölkerungswissenschaftlerin. Da ist die Forscherin, die Brücken zur Soziologie und zur Psychologie schlägt. Da ist die Baumeisterin von Forschungsinfrastruktur. Und da ist die Politikberaterin, die seit mehr als zwanzig Jahren, etwa im Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen, Evidenz dorthin trägt, wo entschieden wird. Doch unter all diesen Fäden gibt es in meinen Augen einen besonders auffällig leuchtenden. Er lautet: Früh in junge Menschen zu investieren, lohnt sich – aber man braucht Geduld. Katharina Spieß ist auch bekannt dafür, junge Wissenschaftler*innen für die Forschung zu begeistern. Über 30 Promotionen hat sie betreut. Sie investiert also früh in junge Menschen – nicht nur als Forschungsgegenstand, sondern ganz praktisch, in ihrem eigenen Team.“
Die Stiftungen
Frankfurt Foundation Quality of Medicines
Die Frankfurt Foundation Quality of Medicines fördert Forschungsprojekte mit dem Ziel, zur Sicherung, Weiterentwicklung und Optimierung der Qualität von Arzneimitteln und deren therapeutischer Anwendung beizutragen. Im Mittelpunkt steht die Erforschung neuer Verfahren, innovativer Technologien und moderner Standardisierungsansätze. Zudem würdigt die Stiftung herausragende wissenschaftliche Leistungen und Initiativen in diesem Bereich durch Preisverleihungen und Auszeichnungen – sowohl auf eigene Initiative als auch in Kooperation mit Fachgesellschaften und weiteren Partnern.
Seit 2025 vergibt die Stiftung den RMU Award for Pharmaceutical Research & Innovative Medical Therapies an herausragende Nachwuchs-wissenschaftler*innen in deren früher Karrierephase. Der Preis honoriert kreative, zukunftsweisende Forschungsideen mit hohem wissenschaftlichem und therapeutischem Potenzial und ist mit 10.000 Euro dotiert.
Sibylle Kalkhof-Rose-Stiftung
Die Sibylle Kalkhof-Rose-Stiftung fördert Forschung und Lehre an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), insbesondere Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen. Ihre Unterstützung erfolgt in zwei Förderlinien: Zum einen verleiht sie den Universitätspreis für junge Wissenschaftler*innen, der jährlich in den Kategorien Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Naturwissenschaften und Medizin vergeben wird. Zum anderen unterstützt sie herausragende, nachhaltige und bedeutende Projekte und Anschaffungen an der JGU, die nicht durch reguläre Mittel finanziert werden können.
Seit 2025 zeichnet die Stiftung mit dem RMU-Preis außergewöhnliche persönliche und wissenschaftliche Leistungen an den Rhein-Main-Universitäten aus. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und zur freien Verwendung bestimmt.
Downloads
- Pressemitteilung der RMU vom 20.10.2026 (282.6 KB)