Forschen schon im Studium: „Excellence Track Algebra“ gestartet

Bild: SFB GAUS

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Der Sonderforschungsbereich „GAUS“ erforscht seit 2021 komplexe geometrische und arithmetische Objekte. Beteiligt sind die Rhein-Main-Universitäten Goethe-Universität Frankfurt (als Koordinatorin), TU Darmstadt und Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (als assoziierte Partnerin) sowie die Universität Heidelberg. Zum Wintersemester 2025/26 wurde nun mit dem „Excellence Track Algebra“ ein vertiefendes, forschungsorientiertes Programm für Masterstudierende eingerichtet. Professor Timo Richarz stellt das Programm im Interview vor.

Herr Richarz, was sind das Konzept und die Inhalte des Programms?

Timo Richarz: Der Excellence Track Algebra (ETA) ist ein forschungsorientiertes Zusatzangebot für Masterstudierende mit besonderem Interesse an Algebra. Er erweitert das Studium um ein universitätsübergreifendes Lehrangebot mit spezialisierten Vorlesungen und Seminaren an den Standorten Darmstadt, Frankfurt, Heidelberg und Mainz. Zugleich entsteht eine engagierte Peer-Community, die sich in gemeinsamen Workshops und Retreats intensiv austauscht und vernetzt. Die frühe Einbindung in Forschungsgruppen des Sonderforschungsbereichs (SFB) GAUS ermöglicht dabei wissenschaftliche Praxis, persönliche Kontakte und schafft beste Voraussetzungen für Masterarbeit, Promotion und Forschung.

 

Was sind die Erfahrungen aus dem ersten Semester?

Timo Richarz: Der ETA ist im Wintersemester 2025/26 als Soft Launch, also ohne große Bekanntmachung, gestartet. Seitdem entwickeln wir ihn gemeinsam mit engagierten Studierenden aller Universitäten weiter und setzen viele Ideen Schritt für Schritt um. Besonders beeindruckend sind daher die hohe Motivation der Teilnehmenden und ihr intensiver fachlicher Austausch, sowohl untereinander als auch mit Forschenden der beteiligten Universitäten.

Ein besonderes Highlight war das ETA-Retreat im Dezember. Neben wissenschaftlichen Vorträgen stand dort vor allem das persönliche Kennenlernen im Mittelpunkt. Gemeinsame Aktivitäten wie Wanderungen, Spieleabende und ein Lebkuchenhaus-Wettbewerb haben die Studierenden standortübergreifend enger zusammengebracht.

 

Wie geht das Programm weiter?

Timo Richarz: Der Excellence Track wird stetig weiterentwickelt, wobei wir gerne die Wünsche der Teilnehmenden aufgreifen. Als nächstes steht die Anbindung an das GAUS CRC Colloquium an: Die Studierenden bereiten im Vorfeld die Vorträge auf und diskutieren sie zunächst in kleiner Runde, um Fragen zu klären. Anschließend besuchen sie das Kolloquium zusammen mit GAUS-Mitgliedern aller Standorte.

Außerdem wird es eine offene Austauschrunde mit Promovierenden geben, in der Fragen zur Promotion und zum wissenschaftlichen Alltag in entspannter Atmosphäre besprochen werden können. So knüpfen die Nachwuchswissenschaftler*innen der RMU-Region frühzeitig Kontakte, gewinnen Einblicke in die Forschungspraxis und erhalten Orientierung für ihren weiteren Weg.

 

Der Excellence Track ist ja ein gemeinsames Projekt der Rhein-Main-Universitäten (TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz) sowie der Uni Heidelberg. Wie läuft die Zusammenarbeit, inwiefern sind der Verbund und die räumliche Nähe ein Vorteil?

Timo Richarz: Die enge Zusammenarbeit der Rhein-Main-Universitäten und Heidelberg ist für den Excellence Track ein echter Gewinn. TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt, Universität Mainz und Universität Heidelberg bringen unterschiedliche algebraische Schwerpunkte und Angebote ein.

Durch die räumliche Nähe können Studierende unkompliziert Lehrveranstaltungen an verschiedenen Universitäten besuchen und persönlich an gemeinsamen Formaten teilnehmen. Es entsteht ein dichtes akademisches Netzwerk, das Studierenden früh Zugang zu vielfältiger Expertise bietet und ein gemeinsames Forschungsumfeld schafft, das weit über einen einzelnen Standort hinausgeht.

 

Die Fragen stellte Claudia Staub.

 

„Excellence Track Algebra“

Der „Excellence Track in Algebra“ ist Teil des SFB GAUS und ergänzt das Masterstudium Mathematik der beteiligten Partnerinnen. Das Programm richtet sich an Studierende, die sich im Rahmen ihres Masters gezielt in Algebra spezialisieren und frühzeitig den Weg in die Forschung einschlagen möchten.

 

Sonderforschungsbereich „GAUS“

Der SFB „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen“ (GAUS) erforscht schwierige mathematische Räume aus Geometrie und Zahlentheorie. Ein zentrales Werkzeug ist die Uniformisierung. Dabei ersetzt man ein kompliziertes Objekt durch ein einfacheres Modell, das lokal gleich aussieht.

Die ursprüngliche Komplexität verschwindet dabei nicht, sondern zeigt sich in den Symmetrien des Modells. So lassen sich schwierige Probleme in einer anderen mathematischen Sprache betrachten.

Mit diesem Ansatz wollen die Forschenden neue Einsichten in die Struktur geometrischer und arithmetischer Räume gewinnen und grundlegende Zusammenhänge in der Mathematik besser verstehen.

Beantragt wurde der SFB von der Goethe-Universität Frankfurt, der TU Darmstadt und der Universität Heidelberg, assoziierte Institutionen sind die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und die Universität Münster.

 

Professor Timo Richarz

Timo Richarz ist seit 2019 Professor für „Algebraische Geometrie und Zahlentheorie“ am Fachbereich Mathematik der TU Darmstadt. Im SFB „GAUS“ leitet er zwei Teilprojekte und ist zusammen mit Professor Manuel Blickle von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Initiator des „Excellence Track Algebra“. Für seine Arbeiten wurde er schon mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit einem ERC Starting Grant und einer LOEWE-Start-Professur.

 

Welche Fragen im Rahmen des SFB bearbeitet werden, zeigt ein Beitrag im Magazin „Forschung Frankfurt“ exemplarisch: Dort erläutert eine leitende Forscherin des SFB, Professorin Annette Werner von der Goethe-Universität Frankfurt, die Grundlagen p-adischer Geometrie – eines zentralen Werkzeugs der modernen Zahlentheorie. In diesem Forschungsumfeld setzt auch der „Excellence Track Algebra“ an und bindet Masterstudierende früh in die standortübergreifende Arbeit des Verbunds ein.

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