Video-Interview gibt Einblick in den neuen Master „Particle Accelerator Science" der Rhein-Main-Universitäten (RMU)
Bild: Prof. Dr. Joachim Enders (rechts) und Physik-Studentin Fatemeh Moujani (links)
Was fasziniert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Teilchenbeschleunigern? Welche Forschungsmöglichkeiten bietet die Region Rhein-Main? Und warum braucht es einen eigenen Masterstudiengang für die Beschleuniger-Wissenschaft? Antworten auf diese Fragen geben Prof. Dr. Joachim Enders und Physik-Studentin Fatemeh Moujani in einem neuen Video-Interview zum Masterstudiengang „Particle Accelerator Science" der Rhein-Main-Universitäten.
Von Grundlagenforschung bis Krebstherapie
„Teilchenbeschleuniger sind eine riesige Inspiration für mich„, erklärt Fatemeh Moujani, die ihre Bachelorarbeit am hauseigenen Beschleuniger S-DALINAC geschrieben hat. Im Gespräch mit Professor Joachim Enders beschreibt sie die vielfältigen Anwendungsfelder: von bahnbrechenden Entdeckungen am Large Hadron Collider des CERN über die Materialforschung mit Synchrotronstrahlung bis hin zu medizinischen Anwendungen in der Krebstherapie.
Einzigartige Forschungsmöglichkeiten vor Ort
Ein besonderes Merkmal des Studiengangs ist die Möglichkeit für Studierende, direkt an Teilchenbeschleunigern zu forschen. „Darmstadt hat die einzigartige Eigenschaft, dass Studierende den Teilchenbeschleuniger selbst betreiben und weiterentwickeln können – im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten oder Forschungsprojekte“, so Moujani. Sie selbst arbeitete an Simulationen zur Strahldynamik für einen Energy Recovery Linac – eine nachhaltige Beschleunigertechnologie, bei der Energie zurückgewonnen werden kann.
Expertise von drei Universitäten gebündelt
Professor Enders erläutert im Interview die Zusammenarbeit der RMU-Partner: Während Darmstadt und Mainz beide an Energy Recovery Linacs forschen, bringt Frankfurt langjährige Erfahrung mit Ionenbeschleunigern ein. Diese Expertise fließt direkt in die Großforschungsanlage FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) ein, die gerade nördlich von Darmstadt entsteht.
„Wir bündeln jetzt erstmals die Expertisen aus Mainz, Darmstadt und Frankfurt zu einem kohärenten Studienangebot„, betont Enders. Die Studierenden absolvieren Kurse an allen drei Universitäten und werden von den jeweiligen Experten in deren Spezialgebieten unterrichtet.
Interdisziplinär und international
Der interdisziplinäre Charakter des Studiengangs spiegelt die Komplexität moderner Teilchenbeschleuniger wider: „Auf der einen Seite haben wir die physikalischen Gesetze, die die Trajektorien der Teilchen bestimmen. Auf der anderen Seite müssen wir Komponenten mit ingenieurwissenschaftlichen Methoden entwickeln, Simulationen durchführen und das gesamte System mit computergestützten Verfahren steuern“, erklärt Moujani.
Für sie war der neue Studiengang längst überfällig: „Bisher musste ich durch verschiedene Länder in Europa und Asien reisen, um mir dieses Wissen stückweise zusammenzutragen – das war in Deutschland so nicht verfügbar." Der neue Master schließt diese Lücke und bildet dringend benötigte Fachkräfte für Forschungseinrichtungen wie FAIR, GSI, CERN und DESY aus.
Der englischsprachige Masterstudiengang startet zum Sommersemester 2026 mit zunächst 20 Studienplätzen und richtet sich an Bachelorabsolvent:innen der Physik und verwandter Fächer – aus der Region wie auch international.