• Graduiertenschule

DFG-Graduiertenkolleg "Ästhetik der Demokratie"

  • Geistes- und Sozialwissenschaften

Ist Demokratie sinnlich erfahrbar? Gibt es eine spezifische demokratische Ästhetik, so wie es eine totalitäre Ästhetik gibt? Hat das demokratische Zusammenleben eine bestimmte Form? Mit diesen Forschungsfragen setzt sich das DFG-Graduiertenkolleg 3113 „Ästhetik der Demokratie“ auseinander. Während der ersten fünf Förderjahre arbeiten 24 Doktorand*innen aus einer Vielzahl geisteswissenschaftlicher Disziplinen der Goethe Universität Frankfurt und der TU Darmstadt interdisziplinär zusammen. Im Rahmen von begleitenden Public Humanities-Projekten treten sie auch mit der Öffentlichkeit in Dialog. 

In Öffentlichkeit und Wissenschaft wird Demokratie meist als Regierungsform aufgefasst: als Gefüge von bestimmten Institutionen und Prozeduren, mithilfe derer politische Interessen gebildet, artikuliert und vertreten werden. Das Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ dagegen erforscht, was es bedeutet, Demokratie nicht nur als institutionellen, sondern als einen lebensweltlichen Zusammenhang der kollektiven Koexistenz zu verstehen. Damit wird das Augenmerk auf Formen der Vergemeinschaftung gelegt, die unterhalb der staatlichen Ebene stattfinden und in diesem Sinn auch nicht nur in „real existierenden Demokratien“ verwirklicht sein müssen. Diese finden sich evtl. in Kunst und Kultur, aber auch in Vereinen, Verbänden oder momenthaften Begegnungen im öffentlichen Raum. 

Die Ausgangshypothese des Graduiertenkollegs versteht Demokratie als eine offene, reflexive Form des Zusammenlebens, die von öffentlichen Auseinandersetzungen darüber geprägt ist, wie sie gestaltet werden soll. Die Aushandlung ihrer Form ist ihre Form. Bezogen auf die Ästhetik bedeutet das: Demokratie ist erfahrbar, auch in sinnlicher Art und Weise, und sie ist zugleich geprägt von Auseinandersetzungen, die die Ausgestaltung des Sinnlichen zum Gegenstand haben. In dieser Ausgangshypothese steckt die Beobachtung einer inneren Spannung zwischen Institution und Instituierung, zwischen der stabilisierenden, Verbindlichkeit und Orientierung schaffenden Wirkung geronnener Form und der dynamisierenden, auf Veränderung abzielenden Wirkung der kontinuierlichen (Neu-)Aushandlung von Form. Diese Beobachtung führt zur übergeordneten Fragestellung des Graduiertenkollegs: Wie lässt sich die Spannung zwischen Form und Umformung mit Blick auf die Ästhetik der Demokratie an einzelnen Untersuchungsgegenständen näher bestimmen und welche ihrerseits sinnlich erfahrbaren Formen nimmt diese Spannung an? 

Unsere Annahme ist, dass unterschiedlichen Formen der demokratischen Assoziation keineswegs nur von Harmonie geprägt sind. Gekennzeichnet sind sie vielmehr durchweg auch von Streit, Unstimmigkeit und einer irreduziblen Vielfalt miteinander konkurrierender Perspektiven. Die alltäglichen Praktiken und Erfahrungen des Zusammenlebens – im Konsens wie im Streit – bilden die Grundlage für die Stabilität, Revitalisierung und dynamische Weiterentwicklung von Demokratien. Fragen nach der Zukunftsfähigkeit und Resilienz der Demokratie, auch jenseits ihrer gegenwärtigen, keineswegs einheitlichen Verfasstheit, verlangen demnach zunächst ein genaueres Verständnis der Formen demokratischen Zusammenlebens. 

Project Status
active

Rhine-Main Universities