„Wir müssen unsere Zukunft nachhaltig gestalten“
Das Leitungsgremium des SFB „Eisen, neu gedacht!” (v.l.n.r.): Vera Krewald (Co-Sprecherin), Ulrike Kramm (Sprecherin) und Chrstian Hess (Co-Sprecher). Bild: Doris Rosskopp
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat vor Kurzem bekanntgegeben, dass die Förderung für den Sonderforschungsbereich (SFB) „Eisen, neu gedacht!“ („Iron, upgraded!“) verlängert wird. Er zielt darauf ab, Eisen in seinen Verbindungen so zu beeinflussen, dass es ein selektives, vielseitiges und wertvolles Substitut für seltene, giftige oder kritische Metalle wird. Sprecherin Professorin Ulrike Kramm spricht im Interview über die Arbeit im SFB und die Vision, die dahintersteht.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat für den Sonderforschungsbereich „Eisen, neu gedacht!” soeben die zweite Förderperiode bewilligt. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Nachricht erhalten haben?
GroßartigI Ich freue mich sehr, dass wir die Möglichkeiten haben, auch in den nächsten Jahren in diesem Themenfeld zu arbeiten.
Die erste Förderperiode liegt nun hinter Ihnen. Welches war das wichtigste Forschungsergebnis und warum hat gerade dieser Befund Sie persönlich überrascht oder begeistert?
Ich würde nicht von einem einzelnen Ergebnis sprechen, das meine Begeisterung geweckt hat. Es gibt drei Themenbereiche, in denen ich große Fortschritte sehe: Das erste ist die Weiterentwicklung der Messmethodiken. Wir haben in der ersten Förderperiode verschiedene Messmöglichkeiten entwickelt, die in dieser Form weltweit einmalig sind und uns jetzt ermöglichen, unsere Materialien während der chemischen Reaktionen zu charakterisieren.
Das zweite sind die Neuerungen im Bereich der Theorie. So können wir im Konsortium jetzt präzise magnetische Kopplungen beschreiben oder spektroskopische Daten für Temperaturen simulieren, die den Anwendungen entsprechen. Als drittes haben wir die kombinierte Analytik diverser Messmethodiken, die wir auf Eisen in verschiedenen Umgebungen anwenden, um so eine umfassende Beschreibung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu generieren.
In Analogie: wir alle kennen Schattenbilder; durch den SFB können wir gemeinsam viele Schattenbilder aus verschiedenen Perspektiven analysieren, sodass wir ein sehr gutes Bild davon haben, „welcher Gegenstand“ die Schatten geworfen hat. (Anmerkung: Die Schattenbilder sind die Methodiken und der Gegenstand wäre Eisen in verschiedenen Umgebungen und Anwendungen.)
„Eisen, neu gedacht!” lebt von der Zusammenarbeit unterschiedlicher Forschungsgruppen, oft über mehrere Standorte hinweg. Welche Rolle spielt dabei die Rhein-Main-Universitäten, bestehend aus TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz innerhalb des SFB? Wie gelingt es Ihnen, daraus ein wissenschaftliches Ganzes zu machen?
Wir haben im Team sehr verschiedene Expertisen, die ineinandergreifen und so „ein großes Ganzes“ sichtbar machen, was einzeln nicht erfasst werden könnte. Aus dem RMU-Verbund sind Wissenschaftler:innen aller drei Universitäten beteiligt. Darüber hinaus bietet der Verbund nochmal neue Möglichkeiten, unsere Forschung in die Lehre einfließen zu lassen.
Welche konkreten Ziele haben Sie sich für die Forschung der kommenden dreieinhalb Jahre vorgenommen? Wo soll der SFB am Ende der zweiten Förderperiode stehen?
Langfristig wollen wir verstehen, wie wir gezielt die Umgebung des Eisens verändern müssen, damit wir – unter Reaktionsbedingungen – bestimmte Eigenschaften erreichen.
Zum Beispiel haben wir basierend auf existierenden Daten der 1. Förderperiode Arbeitshypothesen, wie unsere eisenbasierten Katalysatoren noch besser oder stabiler werden. Durch diese Arbeitshypothesen können wir unsere Präparation der Materialien verändern. Ein tolles Ergebnis wäre, wenn wir im Rahmen der 2. Förderperiode dies bestätigen können. Oder, dass wir jetzt basierend auf den verschiedenen neuentwickelten Messmethodiken diese kombinieren, um noch genauer etwas über das Eisen zu lernen.
Welche gesellschaftliche Relevanz hat „Eisen, neu gedacht!“. Was würden Sie jemandem ohne wissenschaftlichen Hintergrund sagen, warum diese Arbeit für den Alltag der Menschen wichtig ist?
Wir müssen unsere Zukunft nachhaltig gestalten. Die passenden Technologien haben wir schon, aber die Materialien, die dort eingesetzt werden, sind sehr teuer. Auf breiter Ebene kann dies nur dann funktionieren, wenn wir Lösungen zur Verfügung stellen, die auch für den Menschen von nebenan oder an der Supermarktkasse erschwinglich sind. Wir arbeiten daran, dass wir über eisenbasierte neue Materialien langfristig solche Lösungen zur Verfügung stellen können wollen.
Die Fragen stellte Doris Rosskopp.